Sich besser erinnern

Der Gedächtnisinhalt eines Menschen würde ganze Bibliotheken füllen, obwohl wir nur einen kleinen Teil unseres Gehirns nutzen. Dabei bietet das Gehirn viele Vorteile:Es nimmt wenig Platz in Anspruch, man kann jederzeit darauf zugreifen, es bietet zeitlebens Platz für Neues und es kann durch die Kombination bereits vorhandener Informationen neue erzeugen.Leider gibt es auch Situationen, da „verlässt“ uns das Gehirn, z.B. bei großer Aufregung. Und die meisten von uns bemerken im Lauf ihres Lebens, dass es ihnen zunehmend schwerer fällt, sich Neues zu merken oder sich zu erinnern.Wenn man jedoch weiß, wie das Gedächtnis funktioniert, findet man leichter Möglichkeiten, es bei seiner Arbeit zu unterstützen. Zum Beispiel sich etwas effektiver zu merken und es leichter abzurufen. Dazu erfahren Sie im Folgenden mehr.


Informationen speichern und erinnern

Um die Zusammenhänge von geistiger Fitness, Gedächtnis und Merktechniken besser verstehen zu können, müssen wir genauer betrachten, worin Gedächtnisleistung eigentlich besteht. Sie setzt sich genau genommen aus zwei Teilen zusammen:

  • dem Speichern von Informationen in das Gedächtnis und
  • dem Abrufen der gespeicherten Inhalte aus dem Gedächtnis.

Wer also sein Gedächtnis verbessern möchte, muss an beide Aspekte dieser Leistung denken.Für beides ist ein gut funktionierender Arbeitsspeicher wichtig. Wenn er Informationen schnell erfasst und weiterleitet, kann er dem Gedächtnis bei der Verarbeitung gute Unterstützung bieten. Wir finden uns nicht so schnell überlastet, sind länger konzentriert und nicht so leicht ablenkbar. Die Inhalte werden besser abgespeichert. Es bleibt mehr hängen.Zur Verbesserung der Informationsaufnahme sind verschiedene Techniken einsetzbar. Dabei geht es im Grunde immer darum, diejenigen Arbeitsweisen zu nutzen, die das Gehirn von Natur aus gut beherrscht, nämlich:

  • die Vorliebe des Gehirns für visuelle Eindrücke
  • und für das Bilden von Zusammenhängen.

Mit Bildern verknüpfen

Die Vorliebe für visuelle Eindrücke spiegelt sich schon im Aufbau des Gehirns wider. Die Areale für die Verarbeitung optischer Reize nehmen mehr Raum ein als die Areale aller anderen Wahrnehmungssinne.Weil die optische Wahrnehmung dominiert, prägen sich Bilder viel leichter und nachhaltiger ein als beispielsweise bloß Gehörtes oder Gelesenes. Viele Informationen werden aber ausschließlich schriftlich oder gesprochen präsentiert und sollen trotzdem erinnert werden. Ein kleiner Trick kann uns dabei helfen. Was Sie hören oder lesen, sollten Sie sich bildlich vorstellen. So können Sie es sich anschaulicher und damit besser erinnerbar machen.Nehmen Sie zum Beispiel die PIN zu Ihrer EC-Karte: Die Figur, die der Finger beim Eintippen auf der Zifferntastatur zeichnet, ist viel leichter zu merken als die Geheimzahl selbst.


Neues und Bekanntes verknüpfen

Die zweite Grundregel besagt, dass Einzelelemente umso besser im Gedächtnis verankert werden, je mehr sie mit anderen Gedächtnisinhalten verknüpft sind.  Isolierte Einzelheiten werden kaum abgespeichert und schnell wieder vergessen. Sobald sie aber mit möglichst vielen anderen Inhalten in Verbindung gebracht werden, stabilisieren Sie sich im Gedächtnis und lassen sich leichter merken und wieder abrufen. Je mehr Verbindungen hergestellt sind, desto leichter sind sie erinnerbar.  Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, dass die hergestellten Assoziationen sinnvoll oder logisch sind. Viel wichtiger ist der eigentliche Vorgang der Suche nach möglichen Verknüpfungen.Es reicht schon, wenn Sie beispielsweise darüber nachdenken, womit man bestimmte Dinge in Verbindung bringen könnte. Allein diese Beschäftigung wird dafür sorgen, dass Sie sie nicht so schnell vergessen.


Merken mit der Loci-Technik

Die Loci-Technik nutzt die Tatsache, dass wir uns bildliche Vorstellungen in einem vertrauten Umfeld besonders leicht merken können.Das vertraute Umfeld kann beispielsweise Ihre Wohnung sein. Stellen Sie Dinge, die Sie sich merken wollen, wie z.B. Ihre Einkaufsliste, in Ihrer Vorstellung bildlich an markante Plätze in Ihrer Wohnung. Wenn Sie später dann Ihr inneres Auge auf diese Plätze richten, werden Sie tatsächlich „sehen“, was Sie zur Erinnerung dort „abgestellt“ haben.


Speichern und Festigung

Mit der bewussten Wahrnehmung und Aufnahme einer Information ist der Prozess des Einspeicherns noch nicht abgeschlossen.In den Minuten und Stunden danach läuft ein unbewusster Vorgang ab, die so genannte Konsolidierung. Die aufgenommenen Inhalte verfestigen sich in dieser Zeit und sind dann nicht mehr so leicht zu löschen.Informationsaufnahme und Konsolidierung sind völlig verschiedene Vorgänge, die auch unterschiedliche Bedingungen im Gehirn voraussetzen. Die Aufnahme von Informationen gelingt am besten im Zustand voller Wachheit, bei der man im Elektroenzephalogramm (EEG) so genannte Beta-Wellen im Bereich von 14 bis 30 Hertz im Gehirn sieht. Die Konsolidierung findet dagegen im entspannten Zustand oder im Schlaf statt. Jetzt herrschen im EEG Alpha-Wellen von 8 bis 13 Hertz vor. Deshalb ist die Ruhe nach dem Lernen so wichtig für das Behalten der Informationen.

 

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