Erinnern & Vergessen

In unzähligen Situationen des alltäglichen Lebens sind wir auf unser Gedächtnis angewiesen. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir versuchen, uns an ein Erlebnis aus unserer Kindheit zu erinnern oder daran, wo wir unseren Autoschlüssel abgelegt haben. Wie wichtig unser Gedächtnis wirklich ist, merken wir spätestens dann, wenn es beeinträchtigt ist.

Das Vergessen – in normalem, gesundem Umfang – ist wichtig und fester Bestandteil unseres Lebens. Erst wenn das Vergessen überhandnimmt und beginnt, uns im Alltag zu behindern, wird es von einem wichtigen Beitrag zu unserer Lebensqualität zu einer Belastung für diese.

Treten Informationen über unsere Sinne ein, so gelangen sie zunächst in den Arbeitsspeicher. Diese Management-Zentrale ist an allen bewussten Vorgängen beteiligt. Sie strukturiert die Informationsflut und bewertet die Daten. Je nach Relevanz werden sie hier dann bereits gelöscht oder zum Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet. Auch beim Abrufen aus dem Gedächtnis kommt dem Arbeitsspeicher eine bedeutende Rolle zu, weshalb er insgesamt als Ort des Denkens, Lernens und Handelns gilt.

Alles, was gerade passiert ist und an das wir uns erinnern, befindet sich hier – doch nicht für lange. Denn für die bewusste Verarbeitung der Informationen steht nur eine relativ kurze Zeitspanne zur Verfügung. Die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen in unserem Gehirn läuft nicht kontinuierlich ab, sondern in relativ kurzen Sequenzen. Bei den meisten erwachsenen Menschen bricht die Informationsaufnahme nach fünf bis sechs Sekunden ab. Es kann nur das Ergebnis dieser kurzen Zeitspanne zwischengespeichert werden. Denn aufgrund der begrenzten Kapazität des Arbeitsspeichers findet ein ständiges Umsortieren und „Überschreiben“ der alten mit neuen Informationen statt.

Die Merkspanne stellt somit in gewisser Weise eine Engstelle in der Informationsverarbeitung des Gehirns dar. Gerade bei neuen Informationen ist das Gehirn schnell an seiner Leistungsgrenze. Durch gezieltes Training kann die Merkspanne etwas verlängert werden. Zwar nicht beliebig weit, aber dennoch merkbar. Spätestens nach etwa 8 bis 10 Sekunden ist jedoch auch für ein gut trainiertes Gehirn Schluss. Teile dieser ins Bewusstsein gelangten Informationen werden in weitere Informationsverarbeitungsschritte übernommen.

In den Minuten und Stunden, nachdem eine Information bewusst wahrgenommen wurde, entscheidet sich, ob wir die Informationen wieder vergessen, oder ob sie ins Langzeitgedächtnis übergehen. Es finden Umbaumaßnahmen an den Synapsen statt. Die aufgenommenen Informationen verfestigen sich. Während die Aufnahme neuer Informationen in einem Zustand völliger Wachheit am besten funktioniert, findet die Verfestigung der Inhalte in einem entspannten Zustand oder im Schlaf statt. Daher ist es wichtig, seinem Gehirn nach dem Lernen die nötige Ruhe zu gönnen. Denn nur so können die aufgenommenen Informationen optimal behalten werden.

Soll zu einem späteren Zeitpunkt eine Information aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen werden, so ist vor allem die Kapazität des Arbeitsspeichers entscheidend. Je leistungsfähiger der Arbeitsspeicher ist, desto schneller und effektiver kann er nach Gedächtnisinhalten suchen.

Gezieltes Training des Arbeitsspeichers lohnt sich also. Je mehr Informationen er aufnehmen und je schneller er diese wiederum verarbeiten kann, desto größer ist die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns.
 

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